eSport als anerkannte Sportart

 

Meine Meinung zum Thema “eSport als anerkannte Sportart”

 

Herbert Scheuerer zum Thema eSport als anerkannte Sportart
Herbert Scheuerer

Ich denke es ist auch wichtig festzuhalten, daß es bei der Diskussion ob künftig eSport als anerkannte Sportart zu sehen ist, nicht nur um die Klärung geht was kann als Sport akzeptiert werden. Vielmehr stellt sich die Frage, warum können Schachclubs, Schützenvereine etc. mit finanziellen Unterstützungen durch die Allgemeinheit rechnen und ein eSport Team nicht? Es ist doch unbestritten, dass alle Freizeitaktivitäten die in einer Gemeinschaft durchgeführt werden, einen positiven Effekt für unser Zusammenleben haben. Gerade für den Bereich eSport ist es für die Spieler wichtig den persönlichen Kontakt zu Gleichgesinnten herstellen zu können und dafür wären dann E-Sport Clubs und die Teams die richtige Adresse. Doch diese gesellschaftlich wichtige Aufgabe wird den eSportlern durch die Gleichstellung mit ähnlichen Sportarten verwehrt. Muß das sein? Viele werden jetzt mit “Ja” antworten und die bekannten Vorurteile einbringen, doch vielleicht sollten diese Skeptiker sich folgendes vergegenwärtigen: Als vor 150 Jahren die ersten Fußballvereine entstanden, gab es sinngemäß sicher die selben Vorbehalte gegen junge Fußballer wie heute gegen eSportler. Man hat sich die Frage gestellt ob  die jungen Leute nichts besseres zu tun haben als sinnlos gegen einen Ball zu treten. Hier waren die Kommentare sicher ” Wenn Du dich in der Natur bewegen willst, dann bestelle einen Acker”. Diese “Denke” ist auch 150 Jahre später noch so aktuell wie damals – nur eben für den eSport. Der eSport wird in der Zukunft bezüglich der gesellschaftlichen Akzeptanz auch die Entwicklung durchlaufen wie das Fußball die letzten 150 Jahre durchlebt hat. Auch wird VR (Virtual Reality) dem eSportler in der Zukunft nochmals eine ganze neue Dimension erschließen und sich nicht mehr “nur” auf Maus und Tastatur beschränken.

Historie der E-Sport Verbandsgründung

Bereits im Jahr 2000 wurden nationale und internationale Verbände und Organisationen mit dem Ziel gegründet, den eSport als anerkannte Sportart zu etablieren und zu fördern. Der erste nationale E-Sport Verband ist die Korean e-Sports Association (kurz: KeSPA) und ist offizielles Mitglied des Olympischen Komitees von Korea. In Deutschland wurde Ende 2003 der Deutsche eSport Verband (kurz: DeSpV) und kurze Zeit später der Deutsche eSport Verband e. V. (kurz: DeSV) ins Leben gerufen. Die beiden Verbände fusionierten am 11. Dezember 2004 zum Deutschen eSport-Bund (kurz: ESB). Der ESB hatte sich auch das Ziel gesetzt, den deutschen E-Sport als Sportart beim Deutschen Sportbund durchzusetzen, der widerrum am 20. Mai 2006 mit dem Nationalen Olympischen Komitee zum Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) verschmolzen wurde. Seit 2011 ist der ESB jedoch inaktiv und eine E-Sport Verbandsorganisation die einen vergleichbaren Stellenwert wie andere nationale E-Sport Verbände aufweisen, ist derzeit nicht in Sicht. Als Beispiel ist hier auch Österreich zu bennen, dort wurde Ende 2007 der eSport Verband Österreich (kurz: esvö) gegründet. Er setzt sich für die Koordination, Förderung, Verbreitung, Vertretung und Weiterentwicklung des E-Sportwesens sowie der darin tätigen Personen ein. Der esvö wird vom österreichischen Bundesministerium für Gesundheit, Familie und Jugend gefördert.

Bisher ist es in Deutschland nicht gelungen eSport als vom DOSB anerkannte Sportart zu etablieren. Während eSport in Österreich, Schweden, Russland oder Südkorea längst etabliert ist, verweigert der DOSB den deutschen eSportlern die Aufnahme und somit die Anerkennung als offizielle Sportart. Begründet wird dies mit der Aussage, der eSport habe keine eigene sportartbestimmende motorische Aktivität. Aber wer bis zu 400 Tastatur- bzw Mausanschläge in der Minute – und das auch noch asynchron voneinander – erbringt und dabei auch noch hochkonzentriert auf den Bildschirm blickt, besitzt laut Sporthochschule Köln einen ähnlichen Stresspegel wie Sportschützen. Diese sportliche Leistung der E-Sportler, die nicht nur motorische Fähigkeiten erfordert, sondern auch im noch größeren Umfang Konzentrationsfähigkeit und taktisches Geschick, werden aber erfreulicher Weise immer mehr anerkannt.

Bisherige Aktivitäten eSport als anerkannte Sportart offiziell einzuführen

So gibt es derzeit sogar aus dem politischen Umfeld Aktivitäten die eSport als anerkannte Sportart einstufen wollen. Im Abgeordnetenhaus Berlin hat die Piratenpartei im Mai 2016 einen entsprechenden Vorstoß unternommen.  Auslöser war, dass ausländische “League of Legends”-Spieler kein Visum für die Einreise zu einem E-Sport Event nach Berlin bekamen, weil eSport keine anerkannte Sportart ist. Dies führte dann zu der offiziellen Anfrage an den Berliner Senator für Inneres und Sport – Frank Henkel -, warum es keine Anerkennung des E-Sports gebe, obwohl dies beispielsweise bei Schach gegeben ist. Dass Schach ein offizieller Sport sei, hat die Ursache, dass die deutschen Schachverbände bereits im DOSB organisiert seien und es hierzulande eine rege Vereinslandschaft gebe, war dann die Stellungnahme von Senator Frank Henkel. Fazit ist somit, Schach hat lediglich einen historischen Vorteil während E-Sportler nur einen “Trendsport” ausüben. Durch die Piratenpartei beschäftigte sich im Mai 2016 erstmals die Politik ausführlich mit der Frage, ob eSport als Sportart anerkannt werden sollte.

Anlässlich der Gamescom 2016 hat auch die CSU dazu Stellung bezogen. Der Arbeitskreis der CSU für Netzpolitik hat ebenfalls gefordert eSport als anerkannte Sportart zu bewerten. “Die Sportart Schach ist unser bestes Vorbild”, sagte die Parlamentarische Staatssekretärin im Verkehrsministerium und CSUnet-Vorsitzende Dorothee Bär. Sie nahm auch Bezug darauf, dass in einigen Ländern die etablierten Sportverbände eSport bereits als anerkannte Sportart eingeführt hätten. Auch würden zum Beispiel bei der Formel 1 ebenfalls geistige und motorische Fähigkeiten mit einem hochtechnischen Gerät kombiniert. Damit die breite Öffentlichkeit mehr Zugang zum eSport erhält, sollten die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten die Wettkämpfe in ihre Sportberichterstattung aufnehmen, regte der Arbeitskreis zusätzlich an. Für die Sender könne es eine “Riesenchance” sein, um sich ein jüngeres Publikum zu erschließen, wurde als Begründung genannt. Dieser Wunsch wurde mittlerweile, vom Ansatz her, durch die Sportschau-Reportage vom 12.11.2016 bereits aufgegriffen.

Auswirkungen einer Entscheidung für eSport als anerkannte Sportart

Was in anerkannten Sportarten selbstverständlich mit öffentlichen Mitteln gefördert wird, nämlich Leistungszentren in Deutschland zu schaffen, muß im eSport von privaten Investoren initiiert werden. So gibt es derzeit im Norden die Playing Ducks, im Westen TAKE-TV und im Süden den E-Sport Club München, die alle ohne staatliche Fördermittel dem eSport zur Verfügung gestellt werden. Auch ist es derzeit nicht möglich Betreuungspersonal oder Trainer durch entsprechende Übungsleiterpauschalen für ihren Einsatz zu honorieren. Diese Situation würde sich verbessern wenn eSport als anerkannte Sportart etabliert wäre.

Doch der eSport macht derzeit große Entwicklungsschübe. So sind mittlerweile auch Coaches ein wichtiger Bestandteil von E-Sport Teams, wie etwa bei League of Legends. Jede Saison gibt es in der League of Legends Championship Series (LCS) – der europäischen und die nordamerikanischen E-Sport-Profiliga – eine sogenannte Coaches Week, in der die Trainer ins Rampenlicht gerückt werden. Dieser Status ist für die Trainer aber relativ neu, da erst zur Frühlingssaison 2015 Riot Games Coaches als offizielle Mitglieder eines Teams anerkannt hat. Dadurch durften die Strategen im Hintergrund mit dem Team auf die Bühne und aktives Coaching, wie beispielsweise während der Champion-Auswahl, durchführen. Zusätzlich hat Riot Games die Teams finanziell bei den Kosten für die Trainer unterstützt, was normalerweise durch vorhandene Sportfördertöpfe erfolgen müßte. Hier hat Riot Games dem eSport einen wichtigen Weg geebnet und Trainer/Coaches zu einem wichtige Teammitglied befördert. Die Auswirkungen für den E-Sport und die Teams werden äußerst positiv sein. Denn jetzt erhalten die E-Sportler neben dem allgemeinen Coaching, auch Fehleranalysen über das eigene Spiel,  sowie auch eine Einschätzung der Stärken und Schwächen möglicher Gegner. Abgerundet wird dies durch eine Strategieberatung und einer gezielten Vorbereitung auf kommende Gegner.

Es wäre deshalb schon lange angebracht auch in Deutschland den eSport offiziell als anerkannte Sportart einzustufen. Damit dürften unter anderem eSportler aus dem Ausland leichter einreisen und die Nachwuchsarbeit könnte finanziell und steuerlich unterstützt werden. Was Golf in 2016 – nach 112 Jahren Abstinenz – wieder gelang, nämlich eine olympische Sportart zu sein, ist für den E-Sport noch in weiter Ferne. Aber fast jeder Vierte, also 23 Prozent können sich vorstellen, dass sportliche E-Sport Wettkämpfe olympisch werden. Das hat eine Bitkom-Umfrage bei 1.247 Menschen ab 14 Jahre ergeben, von denen fast die Hälfte selbst Gamer sind.

Vor allem die 14- bis 29-Jährigen sehen im elektronischen Sport durchaus olympisches Potential, denn 38 Prozent können sich das vorstellen. Bei denen die Gaming als Freizeitbeschäftigung betreiben glauben sogar 40 Prozent daran. Diese Sichtweise wird auch von prominenter Seite unterstützt, da die Parlamentarische Staatssekretärin im Verkehrsministerium, Dorothee Bär (CSU) nicht nur E-Sport als anerkannte Sportart sehen möchte, sondern auch noch ergänzte: “Ich mache mich dabei auch stark für die Einordnung als Olympiadisziplin.”


TV Berichterstattung der Sportschau über die E-Sport Szene

Eine wirkliche gute TV-Reportage – für Leute die bisher keinen Kontakt in die Gamingszene haben – hat die Sportschau unter dem Titel “e-Sport – vom Schmuddelkind zum Shootingstar ” erstellt. Die wirkliche Faszination von E-Sport ist jedoch nur für die Leute erkennbar, die selbst nachempfinden können welche Leistung in solchen Wettbewerben abgerufen werden müssen. Aber für die Allgemeinbildung ist es absolut förderlich, sich die Zeit – etwa 50 Minuten – zum anschauen zu nehmen. Auch hilft es sich eine eigene Meinung bilden zu können ob künftig eSport als anerkannte Sportart eingestuft werden kann.